Neversaid

Presse

FREIES WORT, 02. Dezember 2006

Stress in der Ruhe gefunden


VON CORNELL HOPPE
Nach unzähligen Konzerten und ersten EPs geben die dienstältesten Musiker aus der Ilmenauer Musikbaracke nun ihren ersten Longplayer heraus.


ILMENAU – Seit fast zehn Jahren gibt es die Ilmenauer Band „Neversaid“. Bisher hielt sich deren Veröffentlichungswut aber in Grenzen. In Kleinauflagen wurden bisher nämlich lediglich vier Demos herausgebracht. Die Letzte, „An den Teichen“, hat einige beachtliche Kritiken in der einschlägigen Fachpresse erhalten. Da verwundert es schon fast, das eine LP so lange auf sich warten ließ.

Jedenfalls haben „Neversaid“ mit „Stressruhe“ ein äußerst spannendes und vielseitiges Album vorgelegt. Der Titel ist dabei Programm, denn die Scheibe enthält sowohl flotte treibende Stücke, als auch getragene ruhige Balladen. Und auch auf eine zweite Weise ist der Titel wörtlich zu nehmen, denn die Songs werden zum Ende hin langsamer und beschaulicher, was schließlich im Track „Ruhe“ endet: Grillengezirpe untermalt von einem sanften einlullenden Instrumental.

Zunächst geht es aber erst mal mit ein paar saftigen Rocknummern los. „Mangrovia“ und „Grinder“ überzeugen durch eingängige Melodien. „Tuesday“ hat abgefahrene Gesangsparts und zeigt mit jazzigen Melodien und Bläsereinsatz die Vielschichtigkeit der Band auf. Auch bei „On the Run“, einer weiteren Uptempo-Nummer, gibt es Bläserei dazu. Für diese Parts haben sich „Neversaid“ gestandene Musiker aus der hsf-Bigband eingeladen. Für die Komposition zeichnet Tim Jäkel verantwortlich. An der Trompete ist Fabian Zocher, an der Posaune Carsten Leu und am Sax Tom Hahnemann zu hören.

„The Gate“ und „Drugs abused“ sind zwei weitere frickelige Nummern. Während „The Gate“ mit einem psychedelisch anmutenden Zwischenpart die übliche Songspielzeit auf neun(!) Minuten hochtreibt, kommt „Drugs abused“ mit seltsam krankem Gesang und freaky Melodien daher.

Alles in allem überzeugt „Stressruhe“ sowohl musikalisch als auch technisch. Das Album wurde nämlich nicht im Studio, sondern im Proberaum der Band aufgenommen und von Gitarrist Carsten „Charly“ Land abgemischt und gemastert.

„Neversaid“ erfinden zwar den Rock nicht neu, aber mit ihrer schönen Mischung aus Grunge, 70ies-Rock und diversen Einsprengseln aus Jazz und Psychedelic behaupten sie einmal mehr ihren eigenen Stil. Dazu kommt, dass das Quartett seine Instrumente vorzüglich zu bedienen weiß. Zudem verfügt Sänger Timo Thamm über eine Stimme, die man zurecht mit denen solcher internationalen Größen, wie Eddie Vedder (Pearl Jam) oder Chris Cornell (Soundgarden/Audioslave) in Verbindung bringen darf.

Das Album wird in einem schicken Digipack erhältlich sein. Dieses ziert neben einer kleinen Geschichte über den Schanzkapaun (Logo-Teufel der Band) zahlreiche collagierte Fotos, die jeweils einen der Songs visualisieren. Für das Cover ist einmal mehr Timo Thamm verantwortlich. Seine selbstgemalten Bilder zierten bisher jede „Neversaid“-Veröffentlichung.

Am 8. Dezember feiert die Band dann den Release des Albums mit einem Live-Konzert im Ilmenauer bc-Club. Als Einheizer konnte man die Kranichfelder/Weimarer Stoner/Fuzz-Band „Born to Hula“ gewinnen.

Das Album ist ab dem 8. Dezember entweder auf den Konzerten, der bandeigenen Homepage, bei Amazon und ausgewählten Ilmenauer Verkaufseinrichtungen zu haben. Nirgends aber so billig, wie auf einem Livekonzert.

Wer‘s nicht abwarten kann, hat bereits morgen die Gelegenheit, die Jungs in Aktion zu erleben, da geben sie ein Gastspiel im Bad Frankenhausener „White Pig“.


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